Das Ausgründungsprojekt µAcoustiX des Leibniz-Instituts für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden (IFW) steht mit einem neuen Verfahren zur automatisierten Blutplasma-Gewinnung in den Startlöchern. Für die Innovation, mit der Blutproben für die Früherkennung von Krankheiten effektiv gereinigt werden können, wurde das Team mit dem Clusterpreis Life Sciences des 18. IQ Innovationspreis Mitteldeutschland ausgezeichnet.

Volkskrankheiten wie Krebs lassen sich durch moderne Diagnostik immer früher erkennen. Ein zentraler Durchbruch dafür war die Flüssigbiopsie, bei der zum Beispiel in Blutproben nach DNA und anderen Spuren einer Krankheit gesucht wird, ohne aufwändige Gewebeentnahmen. Das im Blut vorhandene Erbgut eines wachsenden Tumors kann beispielsweise den Krebs verraten, noch bevor er mittels optischer Untersuchungen sichtbar wird. Um die Patientenprobe für die PCR-Diagnostik aufzubereiten, muss das Blutplasma, in dem die wichtigsten Informationen über die Krankheit stecken, möglichst gut von den Blutzellen getrennt werden. Dafür wird das Blut bisher in einer Zentrifuge geschleudert. Die festen Partikel setzen sich ab und das Plasma ist bereit für die Untersuchung. Allerdings reinigt diese Methode die Probe nur unzureichend und erfordert viele manuelle Arbeitsschritte, die wiederum zeit- und kostenaufwendig sind. Das IFW-Ausgründungsprojekt µAcoustiX löst dieses Problem mit einem völlig neuen Ansatz.

„Mit unserer sogenannten CleanPlasma-Technologie fließt die Blutprobe durch Mikrokanäle auf einen Chip, wo Schallwellen die Blutzellen, Bakterien und andere Partikel zuverlässig vom Plasma abtrennen. Im Ergebnis ist die gereinigte Probe ideal für die PCR-Diagnostik geeignet. Der entscheidende Vorteil für die Praxis ist, dass das Verfahren vollständig automatisierbar in bestehende Diagnostikgeräte eingebaut werden kann und den Weg für zukunftsweisende Diagnostik in der breiten Anwendung ebnet.“

Dr. Stefanie Hartmann

Mitglied des Gründungsteams, µAcoustiX

Dabei hat das vierköpfige Gründerteam vor kurzem einen großen Meilenstein hinsichtlich der Finanzierung erreicht und die „GO-Bio inital“-Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMBF in Höhe von fast einer Million Euro eingeworben. Mit dem neuen Forschungsprojekt soll nicht nur die Blutplasmatrennung anwenderfreundlich weiterentwickelt werden. Das Team arbeitet zudem an einer Separation von krankheitsspezifischen Biomarkern wie extrazellulären Vesikeln direkt aus den zuvor gewonnenen Plasmaproben – ein weiterer Schritt, um das Verfahren aus dem Forschungslabor zur Marktreife zu bringen. Dabei unterstützen das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig mit seiner medizinischen Expertise und das Deutsche Rote Kreuz mit der Bereitstellung von Blutproben µAcoustiX im Rahmen des Programms. Darüber hinaus sind die Erweiterung des Teams und die Entwicklung einer gemeinsamen Vision geplant, bevor die Gründung des Unternehmens vollzogen werden soll.

Der Gewinn des Clusterpreises Life Sciences beim diesjährigen IQ Innovationspreis Mitteldeutschland hat dem Gründerteam viel Rückenwind gegeben. „Wir waren überwältigt vom Feedback der hochkarätig besetzten Jury und den zahlreichen Gratulationen im Nachgang an die Preisverleihung. Der dadurch entstandene Motivationsschub innerhalb des Teams ist unbezahlbar“, freut sich Dr. Stefanie Hartmann.

Die Innovation wird im Video vorgestellt:

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